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Professur für Vergleichende Landesgeschichte und Geschichte der Frühen Neuzeit

Prof. Dr. Sabine Ullmann

Die Territorien innerhalb des heutigen Bayern im Jahr 1777.
Was ist Bayern?

Das Land

Die Landesgeschichte rekonstruiert die Genese der deutschen Länder aus politik-, wirtschafts-, kultur- und sozialgeschichtlicher Perspektive und beschreibt damit in Eichstätt den Entwicklungsgang derjenigen historischen Territorien, die im heutigen Freistaat Bayern aufgegangen sind. In den Teilregionen Altbayern, Franken, Schwaben und der Oberpfalz vollzogen sich spezifische Wege in die Moderne, die vergleichend betrachtet werden und verdeutlichen, wie vielfältig sich dieser Prozess gestaltete. So erforschen und lernen wir im regionalen Vergleich, wie das heutige Bayern entstanden ist. Dieser Ansatz folgt einer klassischen Orientierung der Landesgeschichte, die dem Umstand Rechnung trägt, dass deutsche Geschichte maßgeblich von den partikularen Kräften - seinen Ländern - geprägt wurde, die deswegen auch der besonderen Aufmerksamkeit des Historikers bedürfen.

Die Regionen

Zugleich unterliegt das †šLand Bayern' einem ständigen Wandel: Nicht nur die Grenzen variieren im historischen Verlauf, auch wir verändern bei unseren Forschungen jeweils die räumlichen Zuschnitte. Der Raum, dessen historische Entwicklung wir beobachten, orientiert sich nicht immer an den modernen Grenzziehungen des Freistaates Bayern. Durch die Erforschung von räumlich wirksamen Faktoren auf die Felder der Politik, Wirtschaft oder Gesellschaft stehen vielmehr auch strukturelle Raumbildungsprozesse im Mittelpunkt. Auf diesem Wege entdecken wir etwa Reichslandschaften oder jüdische Landschaften, die nicht von landesstaatlichen Zusammenhängen geprägt sind. Dabei arbeiten wir mit einem methodisch offenen und experimentellen Raumbegriff: Wir verwenden ihn funktional, wenn wir uns für historische Phänomene mit einer besonderen räumlichen Relevanz interessieren, wir fokussieren den Blickwinkel von der historischen Region auf den †škleinen Raum', wenn wir uns über das Innenleben der Dörfer und Städte informieren wollen

Historische Konstrukte

Die Geschichte Bayerns in Räumen zu denken beinhaltet nicht zuletzt die Einsicht in die Gestaltbarkeit der verschiedenen historischen Landschaften Bayerns. Franken, die Oberpfalz, der Bayerische Wald, Schwaben, das Allgäu oder Ober- und Niederbayern sind keine naturgegebenen, unveränderlichen Regionen, sie sind vielmehr das Ergebnis einer langen mentalen Aktualisierung, die wir allein mit etatistischen Kategorien nicht fassen können. Die Reflexion über den Konstruktcharakter historischer Räume zeigt, dass Raumvorstellungen stets mit Sinnzuschreibungen verbunden sind, auf unterschiedlichen Erfahrungen und Wahrnehmungen beruhen sowie die verschiedensten politischen, sozialen und kulturellen Funktionen erfüllen können. Um zu verstehen, was †šBayern' historisch bedeutet, zählt daher auch die Entwicklung und Thematisierung regionaler Kulturen zu unseren Forschungsgegenständen.

Die Geschichte der Professur

Die Professur für Vergleichende Landesgeschichte und Geschichte der Frühen Neuzeit an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt wurde im Jahr 1981 eingerichtet.

  • 1982 bis 1988: Prof. Dr. Stefan Weinfurter
  • 1989 bis 1994: Prof. Dr. Alois Schmid
  • 1996 bis 2003: Prof. Dr. Ferdinand Kramer
  • seit 2006: Prof. Dr. Sabine Ullmann

Die Professur für Geschichte der Frühen Neuzeit hatte von 1985 bis 1987 Prof. Dr. Anton Schindling sowie von 1988 bis zu seinem Tod am 22. Mai 2004 Prof. Dr. Rainer A. Müller inne.